Sonntag, 27. April 2008

Betriebsfest

Am Donnerstag haben wir unseren Campus offiziell eingeweiht, immerhin tummeln sich schon mehr als 120 Mitarbeiter bei uns. Dazu gehört in Indien eine Puja Zeremonie, bei der unser Chef eine Kokosnuss zertrümmert hat und der Ganesh am Eingang besonders geschmückt wurde:



Im Laufe des Tages lies sich dann noch unser CEO blicken, aber so richtig ging es erst nach Sonnenuntergang los. Als sich die Temperaturen wieder 30 Grad näherten (von oben, tagsüber sind es über 40 Grad) spielte die Band die neuesten Hindi-Hits, dazu tobte die Menge im besten Bollywood Stil. Es ist ganz einfach, einfach nur die Arme in Höhe halten und mit den Händen wedeln, wer es dann noch schafft auf einem Bein zu hüpfen gehört schon zu den Fortgeschrittenen - ich bewerbe mich jetzt bei RTL2.

Samstag, 26. April 2008

Ein langer Weg

Dixit, mein Fahrer, erzählte mir neulich stolz von seiner Tochter, die in der achten Klasse das beste Zeugnis im gesamten Bezirk bekommen hat und jetzt sogar ein Stipendium von 1000 Rupien im Monat bekommt. Wer glaubt, daß umgerechnet 16 Euro nicht viel sind, sollte wissen daß ihr Vater lediglich 6000 Rupien im Monat verdient. Neugierig fragte ich Dixit, was denn seine Tochter später mal machen will - in der Hoffnung irgendwas wie "Ärztin", "Lehrerin" oder "Astronautin" zu hören. Die ernüchternde Antwort: "When she 17 or 18, I will wed her".

Jeden Morgen strahlt mein Auto wie frisch gewaschen. Und es wird auch wirklich jeden Morgen gewaschen. Allerdings nicht von Dixit. Obwohl er selber nicht viel verdient und eigentlich den ganzen Tag Zeit dafür hätte, bezahlt er einen Autowäscher, der in der sozialen Hierarchie unter ihm steht.

Indien, Du hast noch einen langen Weg vor Dir...
 

Freitag, 18. April 2008

Stellenmarkt

Hängemattenverkäufer, vier offene Positionen:

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Box and awe

Wenige Tage nach meinem Einzug entdeckte ich sie: Wanderkrümmel! Die Brotkrümmel auf dem Teller in der Spüle wollten nicht bis zum Abwasch warten, sondern machten sich selber auf den Weg an der Wand entlang und verschwanden in einem kleinen Loch an der Decke. Den Krümmeln waren sogar Beine gewachsen: Nun bin ich zwar auf der Suche nach einer Haushaltshilfe, allerdings reicht mir eine mit nur mit zwei Beinen, und nicht gleich ein ganzer Ameisenstaat!

Ich habe mich nun für eine "box and awe" Strategie entschieden: Alles Essbare wird entweder in ameisendichten Boxen oder im Kühlschrank verwahrt, strategische Punkte werden regelmäßig mit Ameisenex besprüht.

Ameisen: Wir können Freunde bleiben, aber haltet Euch von meiner Küche fern!

Freitag, 11. April 2008

Car Sweets

Wenige Wochen nachdem ein Mitarbeiter bei uns angefangen hat, kam er mit einer Schachtel marzipanartiger Vierecke an: "I bought a new car!" Wenig später kam ein weiterer Mitarbeiter mit einer Packung der sehr leckeren Vierecke an: "I bought a new car!" Heute morgen kam der Dritte mit diesen Vierecken, aber diesmal war ich schneller: "You bought a new car?" "Yes, how do you know???"

Und hier sind sie, ich bin überzeugt daß sie unter "car sweets" bei jedem Konditor Indiens bestellt werden können:

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Montag, 7. April 2008

Holy Rafting!

Mein Team besteht inzwischen aus 30 Mitarbeitern. Die Meisten sind erst seit zwei Wochen dabei, die "Erfahrenen" immerhin schon seit fast drei Monaten - Zeit für ein teambuilding: "Encounter the unexpected". Und das taten wir dann auch:


Am Mittwoch abend ging es los: mit dem Nachtzug nach Haridwar, und dann weiter mit dem Bus nach Tehri Garwal. Und hier war schon das erste Mißverständnis: Haridwar ist ein heiliger Ort und wird gerne bei Teambuildings angefahren. Daß wir jedoch noch drei Stunden weiter in die Berge fahren sollten, wurde schon nicht mehr wahrgenommen. Und so geschah es auch mit den Instruktionen "please bring a pullover and rain coat". Wozu auch, in Haridwar wäre es ja auch sommerlich warm. So kamen wir auf 2000m im Nieselregen an, ausgestattet mit Sandalen und T-Shirts. Glücklicherweise hatten einige doch noch die Instruktionen gelesen und teilten nun Pullover und Regenjacken mit den Kollegen - teambuilding erster Test bestanden.

Das weitere Programm war eigentlich als outdoor programm gedacht. Im Laufe des Tages wuchs der Nieselregen aber zum Dauerregen an und wir waren im zugigen Gemeinschaftszelt gefangen. Eine der Indoor-Aufgaben bestand darin einen kurzen Sketch vorzubereiten. Zu meiner Verblüffung kamen überraschend zeitkritische Themen auf die Agenda: die Gleichberechtigung der Frauen in Indien oder die Abtreibung weiblicher Embryos, weil Eltern sich lieber einen Sohn wünschen. In der Zwischenzeit sank die Außenemperatur noch weiter, einzige Wärmequelle: eine Schale mit glühenden Kohlen um die sich das Team drängelte. Die Gesichter wurden länger und länger, aber als nach einer kühlen Nacht am nächsten Tag die Sonne schien, waren alle Qualen vergessen. Offensichtlich hatte die kleine Kohlenschale dazu geführt, daß Alle enger zusammengerückt waren - teambuilding zweiter Test bestanden.

Bei verschiedenen Übungen hatten nun auch die Unerfahrenen Gelegenheit, Verantwortung zu übernehmen und ein Team zu leiten - Teambuilding dritter Test bestanden. Am Nachmittag konnte auch ich mich endlich entspannen und die Landschaft des südlichen Himalaya Gebirges genießen: awesome!

Zum Abschluß ging es am dritten Tag zum Rafting. Im Gegensatz zu ihren deutschen Altersgenossen, die von Bungeejumping bis Fallschirmspringen schon Alles ausprobiert haben, kann man indische Mitarbeiter noch wirklich begeistern. Gletscherkühles Wasser kombiniert mit Nieselregen konnte die Begeisterung nicht abkühlen; daß wir sehr intensiv mit dem heiligen Wasser des Ganges benetzt wurden, war das i-tüpfelchen - teambuilding vierter Test bestanden.

Wahrscheinlich muß ich am Montag einen Container Tempotaschentücher für die Schnupfnasen organisieren...
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Mittwoch, 26. März 2008

Das Fest der Farben

Holi markiert in Indien den Beginn des Frühlings. Dazu schickt man sich SMS wie "May god paint the canvas of your life with the most vibrant colurs & shower peace, love & joy at every step on you & your loved ones" oder "A touch of green I send to you, a drop of blue to coll the Hue, a tinge of red for warmth & Zest for a colourful Holi". Bei der traditionellen Variante von Holi malt man sich gegenseitig ein paar kleine bunte Farbkleckse ins Gesicht, bei der moderneren Variante färbt man Gesicht und Kleidung vollständig ein, bewirft sich mit Farbpulver, oder beschießt sich gegenseitig mit großvolumigen Farbwasserpistolen - oder direkt mit dem Eimer:




Pünktlich zum Frühling werfen die Bäume hier gerade ihre alten (=staubigen) Blätter ab und wechseln sie gegen Neue (= saubere) aus, was der Stadt einen bisher unbekannten Grünton verleiht.

Ach ja, ich bin übrigens eingezogen. Die Einrichtung ist funktional und verzichtet auf jegliche Schnörkel. Kritiker würden die Wohnung als "leer" bezeichnen, was nicht ganz falsch ist: bisher befinden sich erst Betten und zwei Gartenstühle hier, der Rest kommt in den nächsten Tagen - hoffentlich.
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Dienstag, 25. März 2008

Ich bin Inder!

Zumindest bin ich jetzt formell registriert :-) Der Ausflug aus dem westlich geprägten corporate environment in die indische Bürokratie zeigt einmal mehr die unglaublichen Unterschiede innerhalb eines Landes und weniger Kilometer. Während in unserem Büro auf jedem Schreibtisch ein Laptop steht, versperren hier Papierberge die Sicht, die "Schreibtischstühle" würden zum sofortigen Herztod eines Mitarbeiters der Berufsgenossenschaft führen, geöffnete Fenster statt Klimaanlage sorgen auch bei über 30Grad für die Belüftung.

Die eigentliche Registrierung lief überraschend einfach ab, der Chef des "security office" blättert durch die Unterlagen, aber eigentlich sucht er nur nach dem Gehalt im Vertrag… Danach darf einer seiner Schergen die eigentliche Arbeit durchführen und trägt meine Daten in ein grünes Buch ein.

Aber schaut selbst (mit versteckter Kamera)

Montag, 24. März 2008

Globalisierung (2)

Wer sich Sorgen macht über den Vormarsch von Billigprodukten aus dem Fernen Osten auf dem deutschen Markt - seid beruhigt: die deutsche Industrie ist hervorragend positioniert und differenziert sich mit qualitativ hochwertigen und technologisch anspruchsvollen Produkten auf dem indischen Markt. Hier der Beweis:


Deutsche Sauberkeit als Exportschlager, wer hätte das gedacht?

Ob die Welt aber auf diese deutschen Produkte gewartet hat überlasse ich Euch...

Freitag, 21. März 2008

Wohnst Du noch oder lebst Du schon?

Möbel selber nach Hause transportieren, mit winzigen Sechskantschlüsseln zusammenschrauben und sich über das fehlende Teil Nummer 16 mit den drei Löchern ärgern? Was für eine abstruse Idee, wer würde so etwas tun? Arbeitskräfte kosten hier fast nichts, also warum selber arbeiten? Indien wäre eine echte Herausforderung für Ikea...

Diese Woche war ich auf Möbelsuche mit meinen Vermietern. Statt zu Ikea geht man zum lokalen Möbelhändler des Vertrauens, räkelt sich probehalber auf ein paar Sofas und wählt dann Farbe und Bezüge aus. Der Unterschied zu Ikea ist, daß Alles auf Bestellung hergestellt wird, und zwar innerhalb von 10 Tagen, und in jeder Kombination. Eigene Entwürfe sind auch möglich. Die deutsche Möbelindustrie könnte hier noch lernen. Überraschend war auch wie schnell man sich entscheiden kann, wenn man nur für zwei Jahre plant. Mehrmonatige Entscheidungsprozesse über runde oder eckige Kanten schrumpfen auf Minuten.

Mein Gepäck ist inzwischen übrigens schon in der Wohnung, für morgen plane ich den Umzug.

Wahrscheinlich handelt mein nächster Eintrag von unzuverlässigen Hilfskräften, die die Hälfte der der Möbelstücke vergessen haben, beim Zusammenbau andere Möbel beschädigen und außer "No problem, Sir" kein Wort Englisch sprechen ;-)