Montag, 19. Mai 2008

Lecker!

Gestern mussten wir mal wieder einer Herde Rinder ausweichen, die ganz gemütlich über die Straßen Gurgaons wanderte. Dixit erzählte mir, daß es sich um Kühe im Ruhestand handelte, die keine Milch mehr geben und deshalb von ihren Besitzern einfach laufengelassen werden. Offensichtlich kommen viele dieser Kühe aus Rajastan, für die Gurgaon so etwas wie ein "Miami für Wiederkäuer" sein muß.

Die eigentliche Frage war aber: was passiert mit diesen Kühen, wenn sie irgendwann in den Kuhhimmel gehen? Laut Dixit werden sie beerdigt - ich habe ihn aber nicht gefragt woher denn seine Lederschuhe kommen... Er erzählte mir dann noch von einer Gruppe von Muslims, die im letzten Jahr zwei Kühe schlachteten, und daraufhin von der aufgebrachten Menge erschlagen wurden.

Zum Glück habe ich ihm nichts von meinem Mittagessen erzählt: Tenderloin Steak mit Potato Wedges

Freitag, 16. Mai 2008

Versorgungsprobleme

Heute morgen fiel das Wasser aus: kein Tropfen Wasser kam mehr aus dem Wasserhahn, keine Dusche, kein Zähneputzen möglich: Incredible India? Von wegen, diese Meldung erreichte mich gerade aus - Düsseldorf!

Samstag, 10. Mai 2008

Ja wo laufen sie denn?

Gestern habe ich mir mein erstes Cricketspiel angesehen, nicht im Fernsehen, sondern live und in 3D. Die Delhi Daredevils spielten gegen die Chennai Superkings im jetzt populären Kurzformat Twenty20: Nur noch vier Stunden, und nicht mehr fünf Tage für ein Spiel. Die Mannschaftsnamen zeigen schon, worum es hier eigentlich geht: Genau wie bei den Namensvettern aus dem amerikanischen Football geht es hier um Business - und es gibt sogar indische Cheerleader! Diese sind allerdings etwas züchtiger angezogen als ihre amerikanischen Kollegen. Frauen aufgepaßt: es gibt auch männliche Cheerleader. Bier wird (leider) nicht im Stadion verkauft, und es gibt natürlich keine Hamburger. Statt Popcorn werden Chili-Erbsen verkauft, 10 Rupien die Portion.

Cricket scheint das ideale Spiel für die Hitze Indiens zu sein, meistens stehen die Spieler nur herum und bewegen sich nicht. Im Prinzip ist es eine Art Brennball, einer der Spieler ("Bowler") wirft den Ball, der Andere ("Batsman") versucht ihn mit seinem "Bat" möglichst weit weg zu schlagen und läuft dann zwischen den "Wickets" hin und her bis die "Fielders" den Ball wieder eingefangen haben, dafür gibt es dann "Runs". Sechs Würfe nennen sich "Over", jede Mannschaft hat 20 Over (daher auch der Name), also insgesamt 120 Bälle, die Halbzeiten nennen sich "Innings"

Unser Spiel war aber spannender als die meisten anderen Spiele, da bis zum 119. Ball noch vollkommen offen war, wer gewinnen würde. Chennai lag mit einem Run zurück, erzielte mit dem letzten Ball aber vier Runs und hat somit mit drei Wickets gewonnen - alles klar?

Hach, was ist der Rasen schön grün :-)

Hier klicken für die Bilder.

Donnerstag, 8. Mai 2008

Speeddating (2)

Da wir immer noch auf der Suche nach Mitarbeitern sind, haben wir uns jetzt direkt an die Quelle begeben: Eine Universität in der Nähe von Agra hatte 500 Studenten zu einem Campus Hiring eingeladen: Die Studenten mussten zunächst einen schriftlichen Test mit technischen Fragen bestehen, die besserere Hälfte durfte nachmittags ihre soft skills in Gruppendiskussionen beweisen und am nächsten Tag die Endauswahl im persönlichen Interview. 35 Studenten sollten am Ende der Aktion die Eintrittskarte zu Reichtum und Wohlstand bekommen - nichts anderes ist ein Arbeitsvertrag mit einem "global player" für indische Studenten. So weit der Plan.

Am Morgen des ersten Tages trafen aber zunächst nur 130 Studenten ein, offensichtlich hatten wir einen schlechten Zeitpunkt während der Abschlußklausuren erwischt. Nach ein paar Tassen Chai waren es dann doch 250 Studenten und wir konnten mit dem Test beginnen. Bei der Auswertung dann die Überraschung: einige Kandidaten hatten überragende Resultate erzielt. Ein scharfer Blick auf die Testbögen zeigte Spuren von "Nachbesserungen". Ein kleiner Tip für die Zukunft: verwendet den gleichen Kugelschreiber wie die Kandidaten für solche Aktionen...

Bei den Gruppendiskussionen wurde einer Gruppe von jeweils sechs Studenten ein Thema vorgegeben, über das sie dann 20 Minuten diskutieren durften: Soll Indien die olympischen Spiele wegen der Situation in Tibet boykottieren? Wie kann Indien die Korruption bekämpfen? Pro und Kontra von Quotenregelungen für den Zugang zu Universitäten? Für uns war aber nicht der Inhalt der Diskussion von Interesse, sondern das Verhalten der Teilnehmer: Wer geht auf die Argumente der Anderen ein, wer kann abwägen, wer profiliert sich auf Kosten der Anderen oder unterdrückt die Beiträge seiner Kollegen?

Nach den Interviews am zweiten Tag blieben dann doch nur zehn Kandidaten übrig, die in drei Wochen ihre ersten Schritte in ihrer Karriere bei uns machen werden. Besonders auffällig: Obwohl nur ca. 10% der 250 Kandidaten Frauen (eigentlich eher Mädchen) waren, schafften es immerhin vier unter die letzten zehn! Offensichtlich sind sie mit größerem Eifer bei der Sache, während sich ihre männlichen Kommilitonen eher mal treiben lassen.

Aber hatte Indien nicht schon eine Ministerpräsidentin, lange vor vielen "entwickelten" Ländern?

Mittwoch, 30. April 2008

Männersache

Papierstau im Fax? Kein Toner im Drucker? Lächerlich! Hier gibt es im Büro noch Aufgaben für echte Kerle, z.B. den Austausch der Zylinderkopfdichtung am Notstromaggregat:

Sonntag, 27. April 2008

Betriebsfest

Am Donnerstag haben wir unseren Campus offiziell eingeweiht, immerhin tummeln sich schon mehr als 120 Mitarbeiter bei uns. Dazu gehört in Indien eine Puja Zeremonie, bei der unser Chef eine Kokosnuss zertrümmert hat und der Ganesh am Eingang besonders geschmückt wurde:



Im Laufe des Tages lies sich dann noch unser CEO blicken, aber so richtig ging es erst nach Sonnenuntergang los. Als sich die Temperaturen wieder 30 Grad näherten (von oben, tagsüber sind es über 40 Grad) spielte die Band die neuesten Hindi-Hits, dazu tobte die Menge im besten Bollywood Stil. Es ist ganz einfach, einfach nur die Arme in Höhe halten und mit den Händen wedeln, wer es dann noch schafft auf einem Bein zu hüpfen gehört schon zu den Fortgeschrittenen - ich bewerbe mich jetzt bei RTL2.

Samstag, 26. April 2008

Ein langer Weg

Dixit, mein Fahrer, erzählte mir neulich stolz von seiner Tochter, die in der achten Klasse das beste Zeugnis im gesamten Bezirk bekommen hat und jetzt sogar ein Stipendium von 1000 Rupien im Monat bekommt. Wer glaubt, daß umgerechnet 16 Euro nicht viel sind, sollte wissen daß ihr Vater lediglich 6000 Rupien im Monat verdient. Neugierig fragte ich Dixit, was denn seine Tochter später mal machen will - in der Hoffnung irgendwas wie "Ärztin", "Lehrerin" oder "Astronautin" zu hören. Die ernüchternde Antwort: "When she 17 or 18, I will wed her".

Jeden Morgen strahlt mein Auto wie frisch gewaschen. Und es wird auch wirklich jeden Morgen gewaschen. Allerdings nicht von Dixit. Obwohl er selber nicht viel verdient und eigentlich den ganzen Tag Zeit dafür hätte, bezahlt er einen Autowäscher, der in der sozialen Hierarchie unter ihm steht.

Indien, Du hast noch einen langen Weg vor Dir...
 

Freitag, 18. April 2008

Stellenmarkt

Hängemattenverkäufer, vier offene Positionen:

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Box and awe

Wenige Tage nach meinem Einzug entdeckte ich sie: Wanderkrümmel! Die Brotkrümmel auf dem Teller in der Spüle wollten nicht bis zum Abwasch warten, sondern machten sich selber auf den Weg an der Wand entlang und verschwanden in einem kleinen Loch an der Decke. Den Krümmeln waren sogar Beine gewachsen: Nun bin ich zwar auf der Suche nach einer Haushaltshilfe, allerdings reicht mir eine mit nur mit zwei Beinen, und nicht gleich ein ganzer Ameisenstaat!

Ich habe mich nun für eine "box and awe" Strategie entschieden: Alles Essbare wird entweder in ameisendichten Boxen oder im Kühlschrank verwahrt, strategische Punkte werden regelmäßig mit Ameisenex besprüht.

Ameisen: Wir können Freunde bleiben, aber haltet Euch von meiner Küche fern!

Freitag, 11. April 2008

Car Sweets

Wenige Wochen nachdem ein Mitarbeiter bei uns angefangen hat, kam er mit einer Schachtel marzipanartiger Vierecke an: "I bought a new car!" Wenig später kam ein weiterer Mitarbeiter mit einer Packung der sehr leckeren Vierecke an: "I bought a new car!" Heute morgen kam der Dritte mit diesen Vierecken, aber diesmal war ich schneller: "You bought a new car?" "Yes, how do you know???"

Und hier sind sie, ich bin überzeugt daß sie unter "car sweets" bei jedem Konditor Indiens bestellt werden können:

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