Donnerstag, 19. Februar 2009

Erdkunde: mangelhaft

Heute kam ich auf die Idee, unsere Projekte auf einer Karte darstellen zu lassen. Schließlich arbeiten wir mit Kollegen von der ganzen Welt zusammen, da kann man schnell eine Weltreise im Kopf zusammenstellen. Gesagt, getan: Ich bat unsere Assistentin, heute Schweden und Bangladesch auf der Karte zu markieren. Daß Schweden eine Herausforderung werden könnte, habe ich mir schon fast gedacht. Ein Land, das weniger Einwohner als ein mittlere indische Stadt hat? Wer soll sich das denn merken.  Als sie mich aber nach Bangladesch fragte, war ich dann doch überrascht, schließlich war Bangladesch bis zur Unabhängigkeit Teil von Britisch Indien und Bangladeschi gelten immer noch als die armen Vettern von nebenan, sozusagen die Österreicher Indiens.

Aber mit mangelhaften Erdkundekenntnissen konnte man bis vor kurzem ja sogar US Präsident werden.

Samstag, 31. Januar 2009

Krise? Was für eine Krise?

Während die Regierungen der westlichen Welt besorgt auf den Einfluß der Finanzkrise auf das Konsumverhalten ihrer Bürger blicken, scheint die Welt des Konsums in Indien noch in Ordnung: Ein Laden in Delhi darf sich jetzt mit dem Titel "höchste Miete pro Quadratmeter - weltweit" schmücken. Ein ca. 12m2 "großer" Laden hat eine monatliche Miete von fast 20.000€ erzielt. Damit ist die Miete 20% höher als für einen vergleichbaren Laden auf der 5th Avenue und doppelt so hoch wie auf den Champs Elysées.

Hat da jemand "Rezession" gesagt?

Dienstag, 27. Januar 2009

Die wahre Rheinpromenade

Blauer Himmel, Frühstück auf der Dachterrasse, die Sonne spiegelt sich im Ganges während Pilger ein rituelles Bad nehmen: Varanasi, eine der ältesten Städte der Welt. 

Wer hier stirbt, kann den ewigen Kreislauf der Wiedergeburt aufhalten, wer ein Bad im Ganges nimmt, verbessert zumindest seine Chancen auf ein besseres Schicksal im nächsten Leben - glauben zumindest die Hindus. Entlang des Ganges reihen sich die Badestellen, die Ghats: Düsseldorfer können sich Varanasi wie eine indische Version der Rheinpromenade vorstellen, allerdings mit ein paar kleinen Änderungen im Detail: statt Schickimicki Hündchen laufen Kühe auf der Promenade, statt Champagner wird Chai angeboten und statt nach Chanel riecht es eher ländlich. Und weil Varanasi größer als Düsseldorf ist, ist seine Promenade auch deutlich länger.

Varanasi Ghats

Montagmorgen war ein besonders glücksverheissender Augenblick für ein Bad: Neumond und eine teilweise Sonnenfinsternis. In Scharen kamen die Gläubigen angereist für diesen Augenblick, ein Gewirr von bunten Saris umgibt die wenigen Touristen - Indien für Fotografen.

Varanasi Montagmorgen

Und dann gibt es doch einen etwas größeren Unterschied: die burning Ghats. Hier werden die Toten von Ihren Angehörigen verbrannt. In kurzen Abständen tragen die Angehörigen ihre Toten durch die engen Gassen der Altstadt, gehüllt in ein Leinentuch. Die Verbrennungen finden direkt neben den normalen Ghats statt, das Brennholz liegt in hohen Stapeln bereit. Nur wenige Meter weiter wird gebadet oder Wäsche gewaschen. Der Tod gehört zum Leben dazu - Indien für Fortgeschrittene.

Varanasi Burning Ghats

In der Innenstadt hat sich wahrscheinlich in den letzten 20 Jahren nur wenig verändert. Die Klingeln der Fahradrikschas übertönen noch die Hupen der Autos - Indien für Nostalgiker.

Varanasi Straßenszenen

Und es gibt noch einen weiteren Unterschied zu Düsseldorf: als heilige Stadt ist Varanasi trocken und es gibt kein Bier in der ganzen Stadt!

Montag, 26. Januar 2009

sneak preview

Gesättigt von klimatisierter Wohnung und Großraumbüro habe ich mich an diesem Wochenende auf die Suche nach dem "echten Indien" begeben - und bin fündig geworden. Vorab ein paar Eindrücke im Film, mehr folgt in Kürze.


"finde die Kuh":

Freitag, 9. Januar 2009

Sorry no petrol

Während Europa besorgt auf die Gasventile in der Ukraine schaut, gibt es hier ein ganz ähnliches Problem: Das Personal in den wichtigsten Raffinerien Indiens ist im Streik. Heute morgen bei der Fahrt ins Büro fiel es mir auf: wesentlich weniger Autos auf den Straßen - die standen nämlich in langen Schlangen vor den wenigen Tankstellen, die noch nicht ausverkauft hatten:

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Zum Glück hatte ich noch vorgestern vollgetankt und dieses Schild konnte mich - noch nicht- beunruhigen. 

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Inzwischen ist der Streik beendet - freie Fahrt für freie Bürger! 

(Fotos von Hindustan Times)

Mittwoch, 7. Januar 2009

ein Jahr

Kinder, wie die Zeit vergeht...

Posted by Picasa

Mittwoch, 17. Dezember 2008

ein Scherz?

Das ist ja wohl nicht ernst gemeint.



Also, wenn ich am Freitag komme, erwarte ich entweder -5Grad und Schnee oder +18 Grad, beides natürlich mit blauem Himmel. Das kann doch nicht so schwer sein? Gebt Euch mal ein bißchen Mühe!

Ich helfe dann auch gerne beim Verzehr von Weihnachtsplätzchen :-)

Sonntag, 14. Dezember 2008

Bratwurst

23 Grad, blauer Himmel über Delhi - ideale Voraussetzungen für einen Besuch auf ... dem Weihnachtsmarkt!

Die deutsche Schule in Delhi veranstaltet jedes Jahr am zweiten Advent einen Weihnachtsmarkt auf ihrem Gelände. Inzwischen ist die Veranstaltung fest etabliert im Kalender der westlichen Expatfamilien und einer zunehmenden Zahl von indischen Familien. Wo kann man denn sonst Fotos mit dem Weihnachtsmann machen? Inzwischen habe ich auch gelernt, daß immer mehr indische Kinder auf Weihnachtsgeschenken bestehen. Die indische Vorliebe für reich dekorierte Feste hat offensichtlich nur auf Weihnachtsbaumkugeln, glitzernde Girlanden und klingelnde Glöckchen gewartet.
Für die Expats gibt es aber einen ganz handfesten Grund für einen Besuch: Es gibt Bratwurst! und Krombacher vom Faß!

Montag, 8. Dezember 2008

Indien trainiert für die WM


Da staunt sogar der Kaiser!

Montag, 1. Dezember 2008

My big fat Indian wedding

Nun gut, technisch gesehen war es nicht wirklich meine Hochzeit, aber am Samstag war ich auf der Hochzeit eines Kollegen eingeladen. Die Eltern waren der Meinung, daß es mit 25 endlich Zeit würde zu heiraten - auch für gut ausgebildete Inder ist es ganz natürlich den zukünftigen Ehepartner von den Eltern auswählen zu lassen. Die Sonntagszeitungen sind voll mit Anzeigen wie "ehrenvolle Eltern suchen für ihren gutaussehenden Sohn/Tochter, Jahreseinkommen x tausend Rupien..." - aber das ist ein Thema für einen anderen Eintrag.

Der erste Eindruck: Das wird laut! Eine mobile Diskothek ersetzt die früher übliche Kapelle, die Stromversorgung kommt vom mobilen Stromaggregat.

 
Der zweite Eindruck: Das wird bunt! Die Damen sind in Saris gehüllt, der Bräutigam sitzt auf einem geschmückten Schimmel (Hat da jemand Prinz Karneval gerufen?)



Der dritte Eindruck: Das ist laut und bunt! Die Verwandschaft des Bräutigams begleitet ihn auf dem Weg vom Tempel zur eigentlichen Hochzeit. Auf die Frage ob das denn nicht gefährlich sei, mit dem Pferd im indischen Straßenverkehr zu reiten, ist die Antwort nur: Wieso, wir tanzen doch drumherum. Na denn.


Wir durften bei der Zeremonie mit dabei sein, sozusagen als Ehrengäste. Das Ganze ist irgendwie - lebhaft: es wird palavert, telefoniert, gelacht. Die Braut, zunächst in einem weißen Sari gekleidet, wird nach der ersten Zeremonie umgezogen und nimmt dann gemeinsam mit dem Bräutigam die Glückwünsche entgegen.



Wenn die Braut nicht vor Freude strahlt, hat das einen ganz einfachen Grund: Sie darf am Tag ihrer Hochzeit weder Essen noch Trinken, und das reichbestickte Hochzeitsgewand wiegt 20-30 Kilo!

Die Hochzeit fand übrigens, wie in Indien üblich, im engsten Familien- und Freundeskreis statt: 1000 Gäste fanden sich auf dem fußballfeldgroßen Festgelände ein. Die Damen trugen ihre besten Saris, bunte Bangles klapperten an den Armen, Fußkettchen klingelten bei jedem Schritt und es wurde Alles gezeigt was die heimische Schmuckschatulle hergab - und das war nicht wenig. Bei den Herren gab es hingegen einige Stilbrüche: Strickjacken sind ja so bequem...



Was mich aber am meisten überrascht hat, war die Freundlichkeit und Offenheit mit der ich als vollkommen Fremder empfangen wurde. Der Vater war voller Stolz über den Besuch aus der Ferne, die Onkels des Bräutigams kamen reihenweise zu mir und bedankten sich für meinen Besuch. Ob ein Besucher aus Indien in Deutschland wohl genauso empfangen würde?

Hier geht es zur Diashow: