Mittwoch, 29. Oktober 2008

Feinstaubverordnung

Indien - voller Überraschungen: So bin ich heute bei der Zeitungslektüre über den Begriff "respirable suspended particulate" ("Feinstaubpartikel") gestolpert. 

Unter der Überschrift "Ein grüneres Diwali" verkündeten die städtischen Behörden voller Stolz, daß die Feinstaubkonzentration in Folge des Diwali-Feuerwerks im Vergleich zum Vorjahr um mehr als die Hälfte gesunken ist und gestern "nur" noch 323 Mikrogramm betrug, statt 670 Mikrogramm im Jahr 2007.

Zum Vergleich: Ab einer Konzentration von 50 Mikrogramm können deutsche Städte ein Fahrverbot verhängen.

Montag, 27. Oktober 2008

Diwali

Diwali, das Fest des Lichts steht vor der Tür. Es entspricht unserem Weihnachtsfest. Ein Fest der Einkehr, des stillen Gedenkens also? Von wegen, eher eine Gelegenheit für hemmungslosen Konsum, genau wie bei uns:



Das Fernsehprogramm entspricht ebenfalls unserem Feiertags- programm: Mission Impossible 3, Rambo, Jurassic Park, Die Hard, Kill Bill 1+2.

Diwali, wörtlich "Lichterreihe", geht auf uralte Mythen zurück. In einer Version kehrte Lord Rama nach 14-jährigem Exil im Wald in seine Stadt Ayodhya zurück. Da er in einer dunklen Neumondnacht zurückkehrte, beleuchteten seine Untertanen den Heimweg mit einer Reihe ("Avali") von Öllampen ("Deepa"). Irgendwann wurde aus Deepa und Avali ... Diwali.

Von vierfarbig blinkenden elektrischen Lichterketten findet sich jedoch keine Spur in den alten Schriften:

Samstag, 25. Oktober 2008

Herr der Fliegen

Der Winter ist da, man könnte abends bei lauschigen 23 Grad auf dem Balkon sitzen und entspannt den Feierabend genießen - wenn es da nicht ein kleines Problem gäbe: ein sehr kleines, aber in großen Mengen auftretendes Problem. Winzig kleine Fliegen (oder sind es Mücken?) fliegen in großen Schwärmen auf das Licht zu. Während die Vorfahren der Fliegen sich noch am Mondlicht orientiert haben, haben die heutigen Stadt-Fliegen sich auf hellerleuchtete Wohnzimmerfenster und Balkone eingestellt. Allerdings gibt es einen fühlbaren Unterschied zwischen Mondlicht und Wohnzimmerbeleuchtung: die Fensterscheibe. Offensichtlich hat die Evolution noch keine Zeit für eine Knautschzone der Fliegen gehabt. Zielstrebig fliegen sie auf das Licht zu, stoßen gegen die Fensterscheibe, und sterben (wie die Fliegen...). Und so sieht es nach zwei Tagen auf meinem Balkon aus: 


Aber Rettung ist in Sicht: Diwali wird in ein paar Tagen mit einem großen Feuerwerk gefeiert. Die zu erwartenden Schadstoffwerte hat noch kein Fliegenschwarm überlebt...

Sonntag, 19. Oktober 2008

Begriffe des Alltags: "schlicht"

Unterschiede zwischen Indien und Deutschland versteht man am Besten, wenn man die Bedeutung von Adjektiven vergleicht. Während für einen Deutschen "schlicht" so viel wie "einfach" oder "schnörkellos" bedeutet, ist dieses Teelicht aus Sicht der meisten Inder auch einfach nur schlicht:


Demnächst in dieser Reihe: "gerade" und "dicht".

Dienstag, 14. Oktober 2008

Tanzunterricht

Wer auf der nächsten Bollywood-Party mal im Mittelpunkt stehen möchte (und keine Angst hat sich lächerlich zu machen), für den gibt es hier die ersten Grundbewegungen. Schritte sind am Anfang unwichtig, viel wichtiger sind die Handbewegungen:
  • "Fensterputz": mit beiden Händen so tun als ob man eine Fensterscheibe abwischt
  • "Lassoschwing": eine Hand in die Hüfte stemmen, mit der Anderen ein imaginäres Lasso schwingen
  • "Schulterzuck": beide Arme zu den Seiten ausstrecken und mit den Schultern zucken
Eine einfache Choreographie könnte zum Beispiel so aussehen: 
Fensterputz - Fensterputz - Lassoschwing - Fensterputz - Schulterzuck

Die Version für Fortgeschrittene sieht so aus:
 

Freitag, 3. Oktober 2008

Arbeitsschutz

"Bei der Ausführung von Schweißarbeiten mit einem Lichtbogenschweißgerät ist auf eine ordentliche Ausführung der Elektrik gemäß den Sicherheitsbestimmungen zu achten. So ist insbesondere auf die Verwendung eines geprüften Sicherheitssteckers zu achten:














schadhafte Kabel müssen fachgerecht repariert werden:














Der Transformator muß vollständig isoliert und die Berührung von stromführenden Teilen ausgeschlossen sein:














Der die Schweißarbeiten Durchführende trägt Sicherheitsschuhe...


...und einen geprüften Gesichtsschutz:"

Samstag, 27. September 2008

Konjunkturprogramm

Während Tausende von Bankern sich an ein Leben ohne Penthouse und Porsche gewöhnen müssen, habe ich mich entschlossen einen weiteren Arbeitsplatz zu schaffen. Seit zwei Wochen beschäftige ich neben Fahrer, Maid und Autowäscher jetzt auch einen Bügler. Einmal in der Woche klingelt jetzt der "Presswallah" bei mir, nimmt einen Stapel ungebügelter Hemden mit und nach ein bis zwei Tagen bekomme ich Alles wunderbar gebügelt wieder zurück. 

Ein Hemd kostet vier Rupien, ungefähr sechs Eurocent - für ein Penthouse muß man da lange bügeln.

Sonntag, 21. September 2008

Kälteeinbruch

Nachdem die Tagestemperaturen in den letzten Monaten ständig oberhalb von 35 Grad lagen, hat sich die Situation in den letzten Tagen dramatisch verändert: Über Nacht sind die Tagestemperaturen auf arktische 25 Grad gefallen.

Sachspenden in Form von Decken und Ohrwärmern bitte kurzfristig nach Gurgaon schicken.

Kaminabend

Hindus verbrennen ihre Toten traditionell innerhalb eines Tages. Im modernen Indien, in dem die Angehörigen häufig weit entfernt von ihrer Heimat arbeiten, ist die Anreise aber häufig zu lang um rechtzeitig zurückzureisen. 

Zum Glück hat die moderne Welt auch eine Lösung für dieses Problem: Das Krematorium in Noida, einer benachbarten Satellitenstadt von Delhi, bietet jetzt eine Direktübertragung der Zeremonie über das Internet an. So können die Angehörigen auf der anderen Seite der Welt aus ihren Büros in Dubai, Manhattan oder Silicon Valley zumindest virtuell an den letzten Riten teilhaben.

Wer auch das nicht schafft, kann sich eine DVD mit der Aufzeichnung zuschicken lassen.

Sonntag, 7. September 2008

Frauenheld

Neulich traf ich morgens im Aufzug auf ein kleines Mädchen mit ihrer Mutter. Mit großen Augen schaute sie mich an, nahm all ihren Mut zusammen, und grüßte mich mit "Good Morning". Als ich mit "Namaste, aap kesee hai? (Hallo, wie geht es Dir?)" antwortete, wurden die Augen noch größer. Erst als ihre Mutter sie ermunterte zu antworten, kam ein schüchternes "Main theek hoon. (Mir geht es gut)".

Offensichtlich sind indische Frauen schon mit wenigen Worten Hindi zu beeindrucken - zumindest solange sie im Vorschulalter sind...