Mittwoch, 26. November 2008

Begriffe des Alltags: "dicht"

Dicht - laut Wikipedia bezeichnet "dicht" in der Technik ein Bauteil oder System, das gegen unerwünschte Stoffe undurchlässig ist. Beim Blick auf meine Balkontüren und Fenster stellt sich jetzt nur noch die Frage, für welche unerwünschten Stoffe diese denn undurchlässig sein sollen. Staub, Regen und Insekten scheinen auf jeden Fall nicht dazuzugehören:

 

Sonntag, 23. November 2008

Danach...

Die letzten Tage waren eine wahre Achterbahnfahrt der Ereignisse und Emotionen: Sobald die Presse mitbekommen hatte, daß Sorab für eine angesehene "MNC" (Multinational Company) gearbeitet hatte, stürzte sie sich auf den Fall. Übertragungswagen der Privatsender tauchten vor dem Krankenhaus und unserem Büro auf, die Tageszeitungen brachten es auf der Titelseite: "Wer ist schuld an Sorabs Tod?" lautete der Tenor.
 
Von der Presse gedrängt, nahm die Polizei die Ermittlungen auf. Unsere Mitarbeiter sahen sich plötzlich mit der Möglichkeit einer Anklage wegen fahrlässiger Tötung konfrontiert - nur weil sie Kuchen bestellt hatten. Die indische Justiz ist zwar weitgehend frei und unabhängig, ein Verfahren kann sich aber über Jahre hinziehen und der Ausgang ist vollkommen offen. 

Am Samstag kam die Polizei und unterhielt sich mit einigen unserer Mitarbeiter, offensichtlich handelte es sich für die Polizei nur um eine Pflichtübung und die Gespräche verliefen entspannt - was bei der indischen Polizei nicht immer der Fall ist. Möglicherweise hatte die Anwesenheit der Firmenanwälte eine beruhigende Wirkung auf die Gemüter.

Später besuchten wir die Eltern und gedachten Sorab gemeinsam in Stille.

Mittwoch, 19. November 2008

Sorab

Was als harmloser Pausenspaß gedacht war, nahm einen tragischen Verlauf: Bei einem Kuchenwettessen in unserem Büro stopfte Sorab mehrere Stücke Crèmekuchen in zwei Minuten in sich hinein. Fünf Minuten später wurde er leblos auf der Toilette gefunden, bei der Ankunft im Krankenhaus konnte nur noch sein Tod festgestellt werden. Sorab wurde 22 Jahre alt.

Keine Schlußpointe heute

Montag, 17. November 2008

Begriffe des Alltags: "gerade"

Die Gerade: Im mathematischen Sinne die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten, zumindest im dreidimensionalen Raum. 

Ob diese Hecke vielleicht in der vierten oder fünften Dimension "gerade" ist, erschließt sich wahrscheinlich nur einem Nobelpreisträger der Mathematik - oder dem Gärtner:

Montag, 10. November 2008

Die fünfte Jahreszeit

Winterzeit, Hochzeitszeit - zumindest in Delhi. Und wenn dann auch noch Vishnu, der Alldurchdringende, der Erschaffer und Zerstörer alles Seienden, nach vier Monaten aufgewacht ist um Tulsi zu heiraten, gibt es kein Halten mehr: Am letzten Sonntag haben sich 17.000 Paare in Delhi das Ja-Wort gegeben, oder wie man hier sagt: den Knoten geknüpft. Alle natürlich im engsten Kreis von wenigen hundert Gästen - pro Hochzeit. Da kommt man schnell auf mehrere Millionen Hochzeitsgäste, zumindest in der Theorie. In der Praxis ist "Wedding hopping" angesagt, mit mehreren zu besuchenden Hochzeiten an einem Abend. Was wiederum  zu einem anderem Problem führt: gigantischen Verkehrsstaus über den ganzen Abend. 

Die Wedding Season geht übrigens noch bis in den Februar. Wahrscheinlich ist es nur ein Zufall, daß in Deutschland jetzt die närrische Zeit beginnt...

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Feinstaubverordnung

Indien - voller Überraschungen: So bin ich heute bei der Zeitungslektüre über den Begriff "respirable suspended particulate" ("Feinstaubpartikel") gestolpert. 

Unter der Überschrift "Ein grüneres Diwali" verkündeten die städtischen Behörden voller Stolz, daß die Feinstaubkonzentration in Folge des Diwali-Feuerwerks im Vergleich zum Vorjahr um mehr als die Hälfte gesunken ist und gestern "nur" noch 323 Mikrogramm betrug, statt 670 Mikrogramm im Jahr 2007.

Zum Vergleich: Ab einer Konzentration von 50 Mikrogramm können deutsche Städte ein Fahrverbot verhängen.

Montag, 27. Oktober 2008

Diwali

Diwali, das Fest des Lichts steht vor der Tür. Es entspricht unserem Weihnachtsfest. Ein Fest der Einkehr, des stillen Gedenkens also? Von wegen, eher eine Gelegenheit für hemmungslosen Konsum, genau wie bei uns:



Das Fernsehprogramm entspricht ebenfalls unserem Feiertags- programm: Mission Impossible 3, Rambo, Jurassic Park, Die Hard, Kill Bill 1+2.

Diwali, wörtlich "Lichterreihe", geht auf uralte Mythen zurück. In einer Version kehrte Lord Rama nach 14-jährigem Exil im Wald in seine Stadt Ayodhya zurück. Da er in einer dunklen Neumondnacht zurückkehrte, beleuchteten seine Untertanen den Heimweg mit einer Reihe ("Avali") von Öllampen ("Deepa"). Irgendwann wurde aus Deepa und Avali ... Diwali.

Von vierfarbig blinkenden elektrischen Lichterketten findet sich jedoch keine Spur in den alten Schriften:

Samstag, 25. Oktober 2008

Herr der Fliegen

Der Winter ist da, man könnte abends bei lauschigen 23 Grad auf dem Balkon sitzen und entspannt den Feierabend genießen - wenn es da nicht ein kleines Problem gäbe: ein sehr kleines, aber in großen Mengen auftretendes Problem. Winzig kleine Fliegen (oder sind es Mücken?) fliegen in großen Schwärmen auf das Licht zu. Während die Vorfahren der Fliegen sich noch am Mondlicht orientiert haben, haben die heutigen Stadt-Fliegen sich auf hellerleuchtete Wohnzimmerfenster und Balkone eingestellt. Allerdings gibt es einen fühlbaren Unterschied zwischen Mondlicht und Wohnzimmerbeleuchtung: die Fensterscheibe. Offensichtlich hat die Evolution noch keine Zeit für eine Knautschzone der Fliegen gehabt. Zielstrebig fliegen sie auf das Licht zu, stoßen gegen die Fensterscheibe, und sterben (wie die Fliegen...). Und so sieht es nach zwei Tagen auf meinem Balkon aus: 


Aber Rettung ist in Sicht: Diwali wird in ein paar Tagen mit einem großen Feuerwerk gefeiert. Die zu erwartenden Schadstoffwerte hat noch kein Fliegenschwarm überlebt...

Sonntag, 19. Oktober 2008

Begriffe des Alltags: "schlicht"

Unterschiede zwischen Indien und Deutschland versteht man am Besten, wenn man die Bedeutung von Adjektiven vergleicht. Während für einen Deutschen "schlicht" so viel wie "einfach" oder "schnörkellos" bedeutet, ist dieses Teelicht aus Sicht der meisten Inder auch einfach nur schlicht:


Demnächst in dieser Reihe: "gerade" und "dicht".

Dienstag, 14. Oktober 2008

Tanzunterricht

Wer auf der nächsten Bollywood-Party mal im Mittelpunkt stehen möchte (und keine Angst hat sich lächerlich zu machen), für den gibt es hier die ersten Grundbewegungen. Schritte sind am Anfang unwichtig, viel wichtiger sind die Handbewegungen:
  • "Fensterputz": mit beiden Händen so tun als ob man eine Fensterscheibe abwischt
  • "Lassoschwing": eine Hand in die Hüfte stemmen, mit der Anderen ein imaginäres Lasso schwingen
  • "Schulterzuck": beide Arme zu den Seiten ausstrecken und mit den Schultern zucken
Eine einfache Choreographie könnte zum Beispiel so aussehen: 
Fensterputz - Fensterputz - Lassoschwing - Fensterputz - Schulterzuck

Die Version für Fortgeschrittene sieht so aus: